Die Studenten von IBS04 besuchten den Flughafen München. Das Programm umfasste einen Vortrag von Horst Jahnke, Director Public Affairs des Flughafens, sowie einer Flughafenrundfahrt.
Im Einklang mit der Philosophie der FH Kufstein, Theorie und Praxis zu verbinden, besuchten am 31. Mai Studenten des Studienganges „Internationale Wirtschaft und Management“ den Münchner Flughafen. Director Public Affairs des Flughafens, Horst Jahnke, referierte zuerst über die Zukunft des Münchner Flughafens im Allgemeinen und die geplante dritte Start- und Landebahn im Speziellen. Im Anschluss folgte eine Rundfahrt über das Flughafengelände und die Möglichkeit, Orte zu sehen, die für Außenstehende normalerweise verschlossen bleiben.
Der Flughafen München ist mit 28,6 Millionen Passagieren im Jahr 2005 unter den Top-Ten der europäischen Flughäfen. Für das Jahr 2020 wird bereits ein Passagieraufkommen von ca. 56 Millionen prognostiziert. Diese enorme Steigerung ist mit der bestehenden Infrastruktur nicht mehr beizukommen. Daher besteht seitens des Flughafens, der im Besitz der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Bayern, sowie der Stadt München ist, der Bedarf an einer neuen Start- und Landebahn. Ohne eine neue Bahn ist der Passagieranstieg nicht zu bewältigen und es bestünde die Gefahr von Abwanderungen von Fluggesellschaften zu anderen Flughäfen. Bereits heute gibt es zu gewissen Stoßzeiten Engpässe. Fluglinien fragen vor allem nach Start- und Landeerlaubnissen in den Morgen-, sowie Abendstunden, während nachmittags und in der Nacht die Nachfrage geringer ist. Daher beschloss der Flughafen den Bau einer dritten Start- und Landebahn. Nicht der Bau an sich, sondern die Planung, das Genehmigungsverfahren und die Vorbehalte der Bevölkerung sind die kritischen Punkte bei der Realisation des Projektes. Die Inbetriebnahme der Bahn ist für 2011 geplant, wobei die zu erwartenden Gerichtsverfahren, die es bei solchen Großprojekten immer gibt, den Termin nach hinter verschieben können. Um das Risiko der Verfahren zu minimieren, wurde ein Nachbarschaftsrat mit allen Betroffenen eingerichtet.
Der Flughafen ist seit seiner Gründung zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Laut Studien wird mit jedem Arbeitsplatz am Flughafen München in Deutschland bis zu 2 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, in der Region entstehen 0,7 zusätzliche Arbeitsplätze. So bringt zB jedes stationierte Langstreckenflugzeug etwa so viele Arbeitsplätze wie ein mittelständisches Unternehmen (150 direkte Arbeitsplätze) und bringt ca. 100 – 150 Mio. Euro Kapitalbindung mit sich. Untersuchungen prognostizieren einem Zuwachs der Beschäftigung auf dem Flughafengelände auf bis zu 41.000 Stellen im Jahr 2020.
Zu beachten ist, dass für die Exportnation Deutschland internationale Flugverbindungen von unschätzbarem Wert sind. Interessant waren ebenfalls die wirtschaftlichen Daten des Flughafens selbst. Dabei überraschte uns vor allem, dass der Flughafen knapp die Hälfte seines Umsatzes in so genannten non-aviation-Bereichen erwirtschaftet, also zB der Vermietung von Lokal- und Ladeflächen.
Ein weiteres aktuelles Thema ist die bessere Verkehrsanbindung des Flughafens. Dabei geht es um neu zu bauende Autobahnabschnitte, aber auch und vor allem die Transrapidstrecke von und zum Münchner Hauptbahnhof. Im Vergleich zu 1,1 Mrd. € für einen Ausbau der S-Bahnstrecke, sollen mit der ca. 1,8 Milliarden Euro teuren Transrapid-Investition die Passagiere die ca. 35 Kilometer lange Strecke in 10 Minuten und alle 10 Minuten zurücklegen können, was eine erhebliche Zeitersparnis im Vergleich zur bestehenden S-Bahn wäre. Die Vorteilhaftigkeit für den Flughafen besteht vor allem in dem positiven Imageeffekt, der durch die neueste Verkehrstechnologie hervorgerufen wird. Der Staat subventioniert dieses Projekt zu einem großen Teil. Ein Modell des Transrapids steht bereits am Münchner Flughafen und wurde von uns im Zuge der Rundfahrt besichtigt, was uns zum nächsten Thema führt.
Nach dem obligatorischen Sicherheitscheck, konnten wir den Sicherheitsbereich des Flughafens betreten. Wir absolvierten eine Führung, die über das in normalen Führungen angebotene Programm hinausgeht, und wir somit Bereiche des Flughafens sahen, die normalen Besuchern verschlossen bleiben. Wir bekamen die Möglichkeit einen Überblick über das gesamte Vorfeld zu bekommen und erfuhren Details zu den verschiedenen Teilen des Flughafens. Unser Weg führte uns unter anderem an den weltweit schnellsten Feuerwehrautos, einer topmodernen Wasserstofftankstelle oder diversen, für uns unleistbaren, Hobbyfliegern vorbei.
Auch hatten wir die einzigartige Möglichkeit, die Abläufe beim Belanden eines Flugzeuges aus nächster Nähe zu beobachten und sie von einem Experten erklärt zu bekommen. Ebenfalls interessant war es, die Beladung der Frachtmaschinen zu beobachten, deren Ladevolumen bis auf den letzten Kubikzentimeter ausgenutzt werden.
Wir beendeten die Rundfahrt mit einer weiteren Münchner Spezialität. Der Münchner Flughafen ist nämlich der einzige Flughafen weltweit, der eine eigene Brauerei hat.